Schotten - aufgepaßt!

Haben die Chinesen Golf erfunden?

Quelle: Focus

Eine Ausstellung im fernen Hongkong versetzt die Gemüter im altehrwürdigen Golfclub von St. Andrews in Wallung, behauptet sie doch das für einen Schotten schlichtweg Undenkbare: Nicht Schottland, sondern China soll die Wiege des Sports mit der kleinen weißen Kugel sein.
Unter dem Titel "Ancient Chinese Pastimes" beschäftigt sich die Schau, die ab 22. März im "Hong Kong Heritage Museum" zu sehen sein wird, mit den vielfältigen Freizeitbeschäftigungen der alten Chinesen. Fußball sollen sie den ausgestellten Artefakten zufolge schon gekannt haben, Schach sollen sie zu ihrem Gaudium gespielt haben, ebenso wie zahlreiche Musikinstrumente. Aber Golf? Vor allem drei Ausstellungsgegenstände lassen darauf schließen, dass diese Behauptung gar nicht so weit hergeholt ist:

Drei schlagkräftige Argumente

Eine Papierrolle aus der Ming Dynastie mit dem Titel "The Autumn Banquet" zeigt ein Mitglied des kaiserlichen Hofes bei einer Beschäftigung, die den Grundzügen des Golfens erstaunlich nahe kommt: Der ehrwürdige Herr schwingt einen Schläger, um einen Ball in ein etwas weiter entferntes Loch zu bugsieren. Ein zweiter Spieler steht mit seinem Schläger abwartend daneben.

Auch die Reproduktion eines Wandgemäldes lässt darauf schließen, dass in China eine Sportart namens "chuiwan" , was in der Übersetzung so viel wie "Schlag den Ball" bedeutet, schon um 1368 praktiziert wurde.

Als drittes schlagkräftiges Argument präsentiert die Ausstellung den ersten bekannten Leitfaden für einen Sport, der mit Golf große Ähnlichkeit hat. Das Buch mit dem Titel "Wan Jing" oder "Handbuch für den Ball-Sport" wurde 1282 veröffentlicht. Es enthält zahlreiche Regelvorgaben und berichtet von Herrschern der Song- und Jin-Dynastie, die dem Sport schon im frühen 12. Jahrhundert frönten.

Erste Erwähnung 1457 in Schottland

Schlechte Karten also für die empörten Schotten, für die ihr Nationalsport mindestens so wichtig ist, wie der Whiskey oder die Kilts. Der Golfclub von St. Andrews kann lediglich mit einem Dokument aus dem Jahr 1457 als erster verbürgter Quelle aufwarten: Damals ließ das Parlament unter James II. das Golfen verbieten.

Golf-Nachhilfe für den Westen

Noch empfindlicher kratzt Ling Hongling, Professor an der Northwest Normal University in Lanzhou, an der Golfer-Ehre der Schotten. Wie die "International Harald Tribune" am Mittwoch berichtete, weist der Sport-Experte in seinen Werken nach, dass die Chinesen der Nantang-Dynastie bereits fünf Jahrhunderte vor dem schottischen Parlamentserlass mit den Regeln von Putten und Pitchen auf Du und Du standen. Anschließend gaben sie dem unwissenden Westen, so Hongling, Nachhilfe in Sachen Golfen. Vehikel dafür sei das bereits erwähnte Buch "Wan Jing" aus dem 13. Jahrhundert gewesen. Einmal von den Mongolen nach Europa importiert, sei der Siegeszug des Golfens auch dort nicht mehr aufzuhalten gewesen.

Keine konkreten Beweise

In Schottland übt man sich derweilen in Schadensbegrenzung. Wirklich bewiesen sei gar nichts. So sei nicht klar, was genau und nach welchen Regeln die alten Chinesen gespielt hätten und ob diese irgendetwas mit den europäischen gemein hätten. Auf manchen der antiken Gemälde könnten die angeblichen Löcher auch als kleine Zielplättchen interpretiert werden. Und überhaupt: Das Golfen über 18 Löcher sei definitiv in St. Andrews zuerst praktiziert worden.

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